Auf der Suche nach neuen Perspektiven: neue Henriette-Herz-Scouts an der Universität Bonn
Neue wissenschaftliche Perspektiven entstehen häufig dort, wo unterschiedliche Fachrichtungen zusammenkommen. Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat deshalb das Bernstein Mitglied Prof. Dr. Tatjana Tchumatchenko sowie ihre Bonner Kollegin Prof. Dr. Elvira Mass als Henriette-Herz-Scouts ausgewählt. Gemeinsam werden sie internationale Nachwuchsforschende für Forschungsaufenthalte an der Universität Bonn gewinnen.

Prof. Dr. Elvira Mass (links) und Prof. Dr. Tatjana Tchumatchenko (rechts). Angepasste Version der Originalgrafik. Fotos: Universität Bonn
Damit können sie promovierte Forschende aus dem Ausland selbst ansprechen und für ein Humboldt-Forschungsstipendium an der Universität Bonn vorschlagen. Beide dürfen jeweils bis zu drei Personen nominieren. Erfüllen diese die formalen Voraussetzungen, wird ihnen das Stipendium ohne ein weiteres wissenschaftliches Auswahlverfahren direkt verliehen. Die Stiftung vertraut damit auf das wissenschaftliche Urteil der Scouts und gibt ihnen großen Spielraum bei der Auswahl geeigneter Forschender.
Nicht allein die Publikationsliste entscheidet
Bei ihrer Suche setzen Mass und Tchumatchenko auf wissenschaftliche Eigenständigkeit, Neugier und Profile, die ihre Arbeitsgruppen um neue Perspektiven ergänzen.
„Ich suche bewusst nach Menschen, die an einem ganz anderen Thema arbeiten als wir“, sagt Mass vom Life & Medical Sciences Institut (LIMES). Die Immunologin erforscht unter anderem Makrophagen und deren Rolle bei der Organentwicklung sowie den Einfluss von Umweltbelastungen wie Mikroplastik auf den Stoffwechsel. „Wenn wir unsere Expertise mit neuen Methoden und Fragestellungen verbinden, entstehen oft Ideen, auf die keiner von uns allein gekommen wäre. Ich achte weniger auf die Länge der Publikationsliste als auf das Potenzial, gemeinsam etwas wirklich Neues zu schaffen.“
Tchumatchenko sucht insbesondere Forschende, die eigenständig wissenschaftliche Fragen entwickeln und über Fachgrenzen hinweg arbeiten können. „Computergestützte und systemische Neurowissenschaft lebt von der Begegnung unterschiedlicher Denk- und Ausbildungstraditionen“, sagt die Professorin an der Medizinischen Fakultät. „Die produktivsten Fragen entstehen oft dort, wo Physik, Mathematik, Biologie und Datenwissenschaft aufeinandertreffen.“
Neue Impulse für langfristige Kooperationen
Das Scouting ermöglicht es beiden Wissenschaftlerinnen, auch Talente anzusprechen, die Bonn oder das Humboldt-Forschungsstipendium bislang nicht in Betracht gezogen haben. Mass und Tchumatchenko sind gemeinsam Sprecherinnen des Transdisziplinären Forschungsbereichs Life and Health der Universität Bonn. Damit können die Impulse der neu gewonnenen Forschenden über ihre eigenen Arbeitsgruppen hinauswirken, bestehende Forschungsverbünde ergänzen und fakultätsübergreifende Fragestellungen anstoßen.
Die Humboldt-Forschungsstipendien ermöglichen Aufenthalte von sechs bis 24 Monaten. Für Tchumatchenko reicht die Perspektive jedoch weit darüber hinaus: „Ein Forschungsaufenthalt endet irgendwann formal, aber die wissenschaftlichen Beziehungen bleiben. Aus einzelnen Aufenthalten können langfristige Kooperationen entstehen – auch mit den Heimatinstituten der Geförderten.“
Ein dicht vernetztes Forschungsumfeld
Für die ausgewählten Forschenden bietet Bonn ein dicht vernetztes wissenschaftliches Umfeld. In der Immunologie bestehen enge Verbindungen zwischen dem LIMES-Institut, dem Exzellenzcluster ImmunoSensation und dem Sonderforschungsbereich Metaflammation. In den Neurowissenschaften verbindet der Bernstein Node Bonn-Köln mehr als 50 Arbeitsgruppen der Universitäten Bonn und Köln, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen und mehrerer Max-Planck-Institute. Hinzu kommen die Nähe zum Universitätsklinikum Bonn und vielfältige Anknüpfungspunkte zwischen mathematischer Modellierung, experimenteller Forschung und Klinik.
Was ist das Henriette-Herz-Scouting-Programm?
Das Henriette-Herz-Scouting-Programm eröffnet einen direkten Zugang zum Humboldt-Forschungsstipendium. Ausgewählte Wissenschaftler:innen können jeweils bis zu drei promovierte Forschende im Ausland vorschlagen. Erfüllen diese die formalen Voraussetzungen, erhalten sie ein Stipendium für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland. Jährlich sollen rund 40 Scouts bis zu 100 internationale Forschende gewinnen und zugleich mehr Wissenschaftlerinnen für das Humboldt-Programm erreichen.




