Xiao-Jing Wang erhält den Valentin Braitenberg Award for Computational Neuroscience 2026
Xiao-Jing Wang erhält den diesjährigen Valentin Braitenberg Award for Computational Neuroscience für seine „beträchtlichen Beiträge in zahlreichen Teildisziplinen – von der Biophysik bis zur Computational Psychiatry“ (die Jury). Die Preisverleihung findet im Rahmen der Bernstein Conference am 29. September 2026 in Frankfurt am Main statt.

Professor Xiao-Jing Wang, Preisträger des Valentin Braitenberg Award for Computational Neuroscience 2026. Foto: NYU
Xiao-Jing Wang ist theoretischer Physiker und Neurowissenschaftler. Seine Forschung befasst sich mit neuronalen Prinzipien der Informationsverarbeitung im Zusammenhang mit kognitiven Prozessen wie Entscheidungsfindung und Arbeitsgedächtnis. Darüber hinaus erforscht er die Dynamik großskaliger Gehirnnetzwerke auf Basis konnektombasierter Modelle, um komplexe kognitive Funktionen besser zu verstehen. Wang promovierte 1987 mit höchster Auszeichnung in Physik an der Université libre de Bruxelles in Belgien. Seitdem hat er mehr als 100 wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, die insgesamt über 53.000-mal zitiert wurden.
Für seine herausragenden Beiträge zur Computational Neuroscience wird Wang nun mit dem Valentin Braitenberg Award 2026 ausgezeichnet. „Es ist mir eine große Ehre, den Valentin Braitenberg Award zu erhalten“, sagte Wang nach Bekanntgabe der Auszeichnung. „Ich betrachte diese Ehrung als Anerkennung für all meine ehemaligen Doktorand:innen, Postdocs und wissenschaftlichen Weggefährt:innen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Zugleich ist sie ein Beleg dafür, dass Grundlagenforschung und offene Wissenschaft keine Grenzen kennen.“
Nach seiner Promotion wechselte Wang von der Physik in das damals noch junge Forschungsfeld der Computational Neuroscience. 1988 nahm er an der ersten Computational Neuroscience Summer School des Marine Biological Laboratory in Woods Hole, Massachusetts, teil und setzte anschließend seine wissenschaftliche Laufbahn in den USA fort. Seine Forschung wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt, darunter der Swartz Prize for Theoretical and Computational Neuroscience der Society for Neuroscience im Jahr 2017. Derzeit ist er Distinguished Global Professor of Neural Science sowie Professor mit einer Nebenberufung für Physik und Mathematik an der New York University.
Sein langjähriges Forschungsinteresse gilt dem präfrontalen Cortex, der häufig als „CEO des Gehirns“ bezeichnet wird. Diese Hirnregion spielt eine zentrale Rolle für höhere kognitive Funktionen und ist an zahlreichen psychiatrischen Erkrankungen beteiligt. Aus dieser Forschung heraus hat Wang, gemeinsam mit weiteren Kolleg:innen, das Forschungsfeld der Computational Psychiatry begründet, welches Grundlagenforschung mit der klinischen Forschung zu psychischen Erkrankungen zusammenbringt.
Die Jury bezeichnet Wang als „einen der einflussreichsten Computational Neuroscientists seiner Generation“. Charakteristisch für seine Arbeit ist die enge Verknüpfung theoretischer Ansätze mit experimenteller Neurowissenschaft: Viele seiner Modelle entstanden im direkten Austausch mit neurobiologischen Befunden und wurden anschließend experimentell überprüft. Zu seinen einflussreichsten Beiträgen zählen computergestützte Modelle, die erklären, wie neuronale Netzwerke im präfrontalen Cortex stabile Aktivitätsmuster erzeugen, die dem Arbeitsgedächtnis zugrunde liegen, und wie diese Netzwerke Entscheidungsprozesse unterstützen. Mehrere dieser Modelle haben sich zu grundlegenden Referenzwerken der Computational Neuroscience entwickelt und prägen bis heute die Forschung zu Kognition und Hirnerkrankungen.
Neben seinen wissenschaftlichen Leistungen würdigt die Jury auch Wangs „Verdienste um die wissenschaftliche Gemeinschaft“ durch seine Lehr-, Mentoring- und Herausgebertätigkeit. Im Laufe seiner Karriere hat er internationale Ausbildungs- und Austauschformate in den Neurowissenschaften maßgeblich mitgestaltet. So war er Mitbegründer der Gordon Research Conference on the Neurobiology of Cognition sowie Gründer und Co-Direktor der internationalen Computational and Cognitive Neuroscience Summer School am Cold Spring Harbor Asia. Darüber hinaus hat er zahlreiche Nachwuchswissenschaftler:innen ausgebildet; mehr als 30 ehemalige Mitglieder seiner Arbeitsgruppe sind heute weltweit als Professor:innen tätig oder leiten eigene Forschungsgruppen.
Zuletzt veröffentlichte Wang das Lehrbuch Theoretical Neuroscience: Understanding Cognition, das 2025 bei CRC/Taylor & Francis erschienen ist. Das Werk bündelt Jahrzehnte theoretischer und computergestützter neurowissenschaftlicher Forschung und bietet einen verständlichen Zugang zum Verständnis der neuronalen Schaltkreismechanismen kognitiver Prozesse.
Die offizielle Preisverleihung des Valentin Braitenberg Award findet am 29. September 2026 im Rahmen der Bernstein Conference statt. Im Anschluss an die Preisverleihung wird Xiao-Jing Wang einen Festvortrag halten und Höhepunkte seiner Forschung präsentieren.
Der Valentin Braitenberg Award
Namensgeber des Preises ist der Hirnforscher Valentin Braitenberg (1926, Bozen, Italien – 2011, Tübingen, Deutschland), einer der Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik. Das Forschungsgebiet Braitenbergs war die Feinstruktur des Gehirns und dessen Funktionsprinzipien, wobei der Schwerpunkt seiner bahnbrechenden Arbeiten im Bereich der Groß- und Kleinhirnrinde lag.
Mit finanzieller Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol wird alle zwei Jahre der Valentin Braitenberg Award for Computational Neuroscience vom Bernstein Netzwerk im Rahmen der Bernstein Conference verliehen. Anlässlich Valentin Braitenbergs 100. Geburtstags im Gedenken wird der Preis im Jahr 2026 zusätzlich vergeben.




